Was können wir von den neuen Jugendroman-Heldinnen lernen?

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Was können wir von den neuen Jugendroman-Heldinnen lernen?

Nach Ana Llurba

Die Heldinnen der Jugendromane sind und bleiben stärkende Vorbilder für die jungen Leser.

Es wird viel über den Einfluss von Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele auf das Phänomen der neuen Jugendroman-Heldinnen dystopischer Science-Fiction gesprochen, ein literarisches Genre, das sich seit je her überwiegend um männliche Hauptdarsteller gedreht hat. Offensichtlich stützt sich die Beliebtheit der Reihe auf die Treue eines breiten, geschlechterübergreifenden Publikums, und in der Regel wird die Haltung der Presse kritisiert, die diesen Unterschied stets hervorhebt. Allerdings ist klar, dass die psychologische Zartheit der jungen Kämpferinnen etwas Kompensatorisches hat und möglicherweise liegt der größte Verdienst der Popularisierung dieser Serien darin, dass Mut, Intelligenz und Verletzlichkeit nicht unvereinbar, sondern vielmehr zum Überleben notwendig sind. Auf diese Weise entfaltet Beatrice Prior, Tris, die Hauptdarstellerin von Die Bestimmung - Divergent ihre Fähigkeiten. Sie wurde im Schoß einer Familie der Selbstlosen-Fraktion geboren, entscheidet sich jedoch für die Furchtlosen-Fraktion, womit sie die Herausforderung zahlreicher Schwierigkeiten freiwillig annimmt und von einigen ihrer scheinbaren Behinderungen profitiert, wie das Ausnutzen ihrer Kleinwüchsigkeit im Nahkampf.

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In Flammender Zorn, dem dritten Buch der Sage von Suzanne Collins, leidet Katniss an posttraumatischem Stress und ist am Rande des Nervenzusammenbruchs bevor sie entdeckt, wie sie ihre Bereitschaft, über sich selbst hinauszuwachsen, in sämtliche Bezirke von Panem verbreiten kann. In diesem Sinne können auch die komplexen Heldinnen der Trilogie Zirkel des schwedischen Duos Mats Strandberg und Sara B. Elfgren interpretiert werden. Sechs junge Frauen (Rebecka, Minoo, Ida, Karin, Linnéa und Vanessa) führen den Kampf mit sich selbst fort, ihren psychologischen Unsicherheiten bis hin zu Ernährungsproblemen und lernen allmählich ihre magischen Kräfte in einem immer apokalyptischer anmutenden Zusammenhang einzusetzen, um den Planeten vor unmittelbarer Bedrohung zu retten.

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Ein weiterer neuartiger Aspekt, den der Archetyp von Katniss gefördert hat ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Hauptdarstellern aus Science-Fiction und Fantasy für Jugendliche stets eine Marionette der eigenen Umstände bleibt und zum Überleben auf ein doppeltes Spiel von Wirklichkeit / Schein zurückgreifen muss. Genau wie Sara, die Hauptdarstellerin von Odio el rosa [Ich hasse rosa], einer ehrgeizigen Übergangszeit-Sage, die in einer Zukunft spielt, in der Modemarken regieren. Die Heldin fühlt sich gefangen und ist entschlossen, einen Raum zu suchen, in dem sie sich geben kann, wie sie wirklich ist.

odio el rosa

So entwickelt Sara, die Heldin der unterhaltsamen, von Oxford University Press geschaffenen dystopischen Science-Fiction-Serie ihre wahre Identität als Bloggerin (Lynda), die sie hinter der Maske der Anwärterin auf die Leitung der Marke Sweet Pink verbirgt. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Einfluss des Archetyps Katniss Everdeen und ihrer vielfältigen Abwandlungen in der aktuellen Jugendliteratur sich nicht auf einen Publishing-Trend beschränkt, sondern als Antwort auf die Nachfrage der Leserschaft nach neuen Heldenmodellen gesehen werden kann, die uns nicht überlegen sind, sondern menschliche Charakterzüge aufweisen, die wenngleich mutig, listig und furchtlos, auch ihre Schwächen und Fehler zeigen, als zusätzliche Voraussetzung zur Stärkung ihres Charakters und um ihren Problemen die Stirn zu bieten. Möglicherweise stellen diese Heldinnen für junge Leser eine zartere und weniger imposante und somit einfühlsamere und vielschichtigere Variante heldenhafter Vorbilder dar.

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