Naturwissenschaftliche Bildung

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Naturwissenschaftliche Bildung

Nach Mariona Bosch

Bereitet hingegen das gegenwärtige Bildungssystem darauf vor, ein Glied am Montageband zu sein oder zu erfinden, zu erschaffen und zu erneuern?

Zu Beginn von Interstellar gibt es eine Szene, in der der Hauptdarsteller, Vater von zwei Kindern, an einer Sitzung mit der Schulleitung teilnimmt, bei der die Fähigkeit seines ältesten Sohnes zum Universitätsstudium geprüft wird. Der Film spielt in einer Zukunft mit begrenzten Mitteln für Bildung; wir werden in eine Zeit versetzt, in der Studium und Ausbildung der jungen Menschen streng nach den jeweiligen Erfordernissen der Wirtschaft, die sich in kritischer Lage befindet, ausgerichtet sind. Heutzutage erleben wir zwar keine derart drastische Einordnung der Zukunft von Kindern und Jugendlichen, aber wie Ken Robinson, Experte für Entwicklung der Kreativität erläutert, zielt das bestehende Bildungssystem weltweit noch immer darauf ab, Arbeiter für eine Industriegesellschaft hervorzubringen. Der Punkt ist, dass wir nicht mehr in solch einer Gesellschaft leben. Die technischen Fortschritte in den vergangenen 30 Jahren haben die westliche Welt nicht in eine Produktionswirtschaft, sondern in eine Dienstleistungsgesellschaft verwandelt. Bereitet hingegen das gegenwärtige Bildungssystem darauf vor, ein Glied am Montageband zu sein oder zu erfinden, zu erschaffen und zu erneuern?

Vor diesem neuen Hintergrund legt Richard Gerver, Professor und weltweiter Bildungsexperte, den Wert der Bildung auf die Erfahrung, die beim Kind entsteht, nicht auf das Ergebnis. Er fordert ein Bildungssystem, das Kinder motiviert, indem es versucht, Interesse zu wecken durch Suche nach Elementen, die für sie attraktiv sind, um die Lust am Lernen anzuregen. Interstellar, als Produkt der Fiktion, nahm die wissenschaftlichen und physischen Theorien, auf denen die Geschichte aufbaut nicht vollkommen ernst und wurde deswegen vom Fachgebiet der Physik mehrfach kritisiert, da man nicht genau war und wissenschaftliche Gewissheiten einem attraktiven Drehbuch zum Opfer gefallen sind. Dennoch sind die Auswirkungen des Films zu unterstreichen, der bei manchen Schülern das Interesse für wissenschaftliche Studien geweckt oder wenn es schon bestanden hat, noch erhöht hat. Google hat mit den Machern des Films ein Team gegründet, um einige Kurse rund um die Art wissenschaftlicher Phänomene, die im Film behandelt werden, zu planen. Die Idee ist einfach; es geht darum, die Wissenschaft des Films zu nutzen, um kreative Erlebnisse zu schaffen, bei denen in irgendeiner Form auch ein Lernprozess stattfindet. Laut Gerver sind Schulabbruch und/oder Schulversagen größtenteils darauf zurückzuführen, dass die jungen Schüler keine Freude oder Begeisterung für das, was ihnen im Unterricht beigebracht wird empfinden und lediglich Daten und Ergebnisse sehen. Was würde geschehen, wenn wir den Schwerpunkt der Bildung auf die Suche nach Lösungen und nicht auf die Lösung an sich legten?

Wie uns Eduard Punset in einer Ausgabe seines Programms Redes [Netzwerke] ins Gedächtnis ruft, diente die Schreibkunst ab dem Zeitpunkt ihres Erscheinens als Mittel zur Weiterleitung von Teilen des menschlichen Wissens und ist heute das Übertragungsverfahren dieses Wissens. Nach der einstigen Weitergabe des Wissens von einem zum anderen mittels Erfahrung entstand die Schule, in der in einem linearen Prozess eine Reihe von als nützlich erachteten Fächern in verschiedenen, voneinander getrennten Blöcken unterrichtet werden, von denen zwei deutlich unterschieden werden, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften bzw. Künste. Bei dieser so ungerechten wie unfruchtbaren Trennung wurden Rationalität mit Wissenschaft und Emotionen mit den Künsten verbunden. Die Kreativität wird mit dem Künstlerischen und dem bloßen Ausdruck von Gefühlen bzw. einer persönlichen Sichtweise assoziiert. Es wäre schön, wenn der Begriff der Kreativität eine neue Dimension bekäme, damit deutlich wird, dass es sich um eine Fähigkeit handelt, die allen menschlichen Wesen eigen ist und nicht um ein elitäres Talent, das nur einigen wenigen vorbehalten ist. Vielleicht sollte die Funktion des Schulsystems in der Suche nach der Art und Weise bestehen, wie jedes Kind seine eigenen Fähigkeiten erkennen kann, in welchen Bereichen es sich wohl fühlt und der Stärkung dieser Kompetenzen von Anfang an anhand derjenigen Mittel, die für das Kind am besten geeignet sind.

Es ist ein Bildungsziel von allgemeiner Gültigkeit denkbar, auf das sich das Schulwesen ausrichten könnte und das im Begreifen von Kreativität liegt, als Wissen, wie das Wissen zu nutzen ist.

 

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Schlüsselwörter des Beitrags: Naturwissenschaftliche, Bildung, Kreativität

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